Der nächste Arzt ist 26 Kilometer weit weg, die Apotheke 40. Was diese Zahlen bedeuten, zeigt sich im Alltag in der Nähe der Frontlinie zwischen der Ukraine und Russland: Wer konnte, hat die Dörfer verlassen. Wer jetzt noch hier lebt, hat sich bewusst dafür entschieden oder konnte – wie die meisten – nicht weg, etwa aus gesundheitlichen Gründen. Die wenigen Ärzte, die es überhaupt noch in der Gegend gibt, betreuen entweder viel zu viele Patienten oder sind selbst alt. Zudem sind Wege zerstört, Transportmöglichkeiten eingeschränkt, und gleichzeitig besteht ständig die Gefahr durch Drohnen und Luftangriffe.
Genau hier setzt humedica an: mit mobilen Ärzteteams, die regelmäßig in abgelegene Orte fahren. Die Teams bringen:
Krystyna ist Ärztin und Teil der humedica-Ärzteteams, die regelmäßig Orte nahe der Frontlinie anfahren. Sie sind meist mit mehreren Autos, Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen und jeder Menge Equipment unterwegs. Behandelt wird überall dort, wo es noch ein Dach über dem Kopf gibt. Das kann ein Gemeinderaum sein, aber auch mal eine Privatwohnung.
Wenn wir sehen, dass die Menschen bereits Schlange stehen, wenn wir kommen, wie dringend unsere Hilfe gebraucht wird, motiviert uns das sehr.
Die Arbeit nahe der Front ist mit realen Risiken verbunden. Helfer berichten von Überflügen militärischer Flugzeuge, sichtbaren Zerstörungen und der ständigen Bedrohung durch Beschuss.
Und dennoch fahren die Teams regelmäßig in diese Gebiete.
Ein zentraler Antrieb bleibt dabei konstant: Das Wissen, dass ihre Arbeit lebenswichtig ist.
Diese Motivation ist entscheidend – denn ohne sie wäre ein Einsatz unter solchen Bedingungen kaum möglich.
humedica verfolgt einen klaren Grundsatz: Die Sicherheit der Mitarbeitenden steht immer an erster Stelle. Deshalb wird jeder Einsatz detailliert vorbereitet und laufend überprüft.
Zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen gehören:
Ein Einsatz findet nur dann statt, wenn die Situation als vertretbar eingeschätzt wird.
Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden steht an oberster Stelle. Wir telefonieren deshalb jeden Abend mit dem Team und schauen, wie die Lage ist. .
Die Ukraine ist das einzige Land, in dem humedica tätig ist, wo ein Sicherheitsmanager fest vor Ort ist. Der hat die Erfahrung und Mentalität, in einer Krise zu arbeiten. Auch die Vernetzung mit anderen Organisationen, die vor Ort tätig sind, ist ein wichtiger Faktor. Neben der Lagebewertung spielt die Vorbereitung eine entscheidende Rolle.
Vor jedem Einsatz prüfen die Teams:
Gleichzeitig bereiten sie sich auch mental vor.
Diese Kombination aus technischer und psychischer Vorbereitung hilft, auch in unsicheren Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Für den Ernstfall sind die Teams zusätzlich ausgestattet, um mehrere Tage unabhängig überleben zu können.
Die größte Herausforderung ist oft nicht die akute Gefahr – sondern der dauerhafte Stress. „Die Situation in der Ukraine ist extrem. Ich glaube nicht, dass das alle hier in Deutschland verstehen, was für ein Druck das für die Mitarbeitenden bedeutet. Wir haben das auch unterschätzt und unser Team verstärkt“, skizziert Cetta die wichtigste Herausforderung. Denn, anders als bei einem geplanten Einsatz oder unmittelbar in einer Katastrophe, ist die psychische Belastung nicht nach zwei Wochen wieder vorbei.
Helfer leben und arbeiten in einem Umfeld, das von Unsicherheit geprägt ist:
„In der Ukraine ist der Stress extrem hoch, weil auch die Familien unserer Mitarbeitenden dort leben und betroffen sind“, berichtet Cetta. Er war selbst vor Ort und weiß: „Zuhause ist es nicht vorbei – du bist in deinem Zimmer, der Alarm geht lost, du gehst in den Bunker und kannst nicht schlafen. Du bist in dieser Krise mittendrin, nicht nur dort.“
Für viele aus dem Ukraine-Team von humedica ist diese psychische Belastung ein Dauerzustand – seit Jahren schon. Einige sind bereits 2014 nach den ersten Angriffen Russlands auf die Ukraine innerhalb des Landes geflohen. Sie haben gesehen, wie ihre Heimatstädte verwüstet und zerstört wurden. Sie haben ihre Häuser verloren und mussten in anderen Regionen Zuflucht suchen, ihr Leben zweimal von Grund auf neu aufbauen. Vielleicht verstehen sie deshalb besser, was die Menschen in den verlassenen Dörfern entlang der Front bewegt.
Die psychische Belastung ist deshalb ein dauerhafter Begleiter.
humedica reagiert darauf, indem – wo möglich – auch Psychologen Teil der Teams sind. Denn neben medizinischer Hilfe wird zunehmend auch psychologische Unterstützung benötigt.
Das Wissen, dass wir etwas Lebenswichtiges tun, treibt uns an.
Für die Menschen in den betroffenen Dörfern bedeutet die Unterstützung durch humedica mehr als nur medizinische Versorgung.
Sie bedeutet:
Viele Betroffene sagen klar: Ohne diese Hilfe wäre ihre Situation deutlich schlimmer.
Genau deshalb setzen die Teams ihre Arbeit fort – trotz aller Herausforderungen.
humedica hilft in der Ukraine mit einem klaren Ansatz:
Das Ziel: Menschen auch unter extremen Bedingungen Zugang zu medizinischer Hilfe ermöglichen.
Einsätze finden in einem unsicheren Umfeld statt. Durch tägliche Lagebewertungen, Sicherheitsmanagement und klare Einsatzregeln wird das Risiko jedoch so weit wie möglich reduziert.
Viele Menschen können aufgrund von Alter, Krankheit oder fehlenden Ressourcen nicht fliehen. Andere entscheiden sich bewusst zu bleiben, etwa aus familiären oder persönlichen Gründen.
Spenden ermöglichen mobile Kliniken, Medikamente, Schutzausrüstung und psychologische Unterstützung. Sie sichern direkte Hilfe für Menschen ohne Zugang zu medizinischer Versorgung.