Wir machen das ganze Sicherheitssystem bei humedica neu. Weil humedica eine kleine Organisation ist, arbeiten wir dabei auch mit den Projektmanagern zusammen. Wir sind auf einem guten Weg und zu 80 Prozent fertig. Es gibt zum Beispiel neue Richtlinien und wir können jetzt fast alle Sicherheitstrainings im Haus anbieten. Das kostet weniger Geld und wir können die Trainings anpassen.
Auch das Vernetzen mit anderen NGOs (Non Governmental Organisations, Anm. der Redaktion) ist wichtig. Wir haben eine Signal-Gruppe, in der wir einander helfen können. Das hilft in komplizierten Situationen. Wenn du Leute kennst, die dort schon arbeiten, gehst du nicht blind in ein Land.
Michael Cetta ist Sicherheitsmanager bei humedica
Ich bin auch ständig in Kontakt mit unseren Reisenden. Sie schreiben, wenn sie im Projektland gelandet oder im Hotel angekommen sind. So wissen wir immer, wo die Kolleginnen und Kollegen gerade sind.
Für eine Reise sind einige Vorbereitungen nötig, was die Sicherheit angeht. Voraussetzung ist, dass alle nötigen Trainings abgeschlossen sind. Dann gibt es eine Weltkarte, auf der sich für jedes Land das Security Level ablesen lässt. Deutschland hat zum Beispiel Stufe 1. Für jedes Land erstellen wir ein Briefing. Für Länder mit höherem Security Level gibt es zusätzlich ein separates Briefing. Im Reiseland selbst erhalten die Kolleginnen und Kollegen dann nochmal ein Security Briefing vom Länderbüro oder unserem Partner. Und wir reden mit anderen NGOs (Non Government Organisations, Anm. der Redaktion), die Kontakte vor Ort haben.
Wir holen zunächst allgemeine Infos von den Botschaften ein. Die International NGO Safety Organisation (INSO) ist eine weitere Quelle, das ist eine internationale Hilfsorganisation für NGOs. Die helfen mit Infos und Trainings. Bei Factal, einer internationalen Sicherheitsinformationsplattform, kann man seine Reiseroute einpflegen. Wenn es irgendwo ein Problem gibt, gibt es einen Alarm.
In der Ukraine ist der Stress extrem hoch, weil auch die Familien unserer Mitarbeitenden dort leben und betroffen sind – täglich gehen die Alarme los. Wir haben zwei Mitarbeiter, deren Wohnungen von Raketen getroffen wurden – zum Glück blieben sie und ihre Familien selbst unverletzt. Das ist etwas komplett Neues: Zuhause ist es nicht vorbei – du bist in deinem Zimmer, der Alarm geht lost, du gehst in den Bunker und kannst nicht schlafen. Du bist in dieser Krise mittendrin. Es ist ein großer psychischer Druck auf dem Team. Das ist schwer. Dass wir weiter dort arbeiten, war keine leichte Entscheidung.
Wir sind jeden Abend im Austausch mit dem Team und beobachten die Lage genau.
Eines unserer Programme mussten wir aufgrund der aktuellen Situation stilllegen. Die Lage in der Ukraine ist äußerst angespannt. Ich bezweifle, dass alle in Deutschland vollständig erfassen, welchen enormen Druck das für die Mitarbeitenden bedeutet. Wir haben diese Belastung zunächst unterschätzt und daher unser Team verstärkt.
Wir sind jeden Abend im Austausch mit dem Team und beobachten die Lage genau. Die Ukraine ist das einzige Land, in dem humedica direkt vor Ort tätig ist, wo auch ein fest eingesetzter Sicherheitsmanager im Einsatz ist. Er bringt die Erfahrung und die mentale Stärke mit, um in einer solchen Krise professionell zu arbeiten und das Team zu unterstützen.
Nach einer Katastrophe wie dem Erdbeben in Myanmar 2025 muss zunächst die Sicherheitslage vor Ort überprüft werden
Durch den Glauben reden wir auf einer anderen Ebene. Die Menschen vertrauen uns, das ist eine andere Art von Beziehung. Auf dem Weg nach Myanmar nach dem Erdbeben 2025 hat uns in Thailand ein Priester vermittelt. Dadurch haben wir ein Visum bekommen. Ohne den Glauben hätten wir nicht ins Land einreisen können. In Myanmar haben wir eine Kirche besucht und dort wiederum Kontakte bekommen.