Direkt zum Inhalt
Nepal 2015

Als die Erde bebte: Erinnerungen an das Erdbeben in Nepal 2015

„Als die Erde bebte, saßen wir gerade beim Kaffee trinken. Wir schnappten unsere Tassen und rannten schnell aus dem Haus. Bis wir realisiert haben, was da gerade passiert ist, vergingen einige Stunden“, berichtet Thomas Meier, der für humedicas nepalesische Partnerorganisation HDCS arbeitet.

Christoph Jorda

Das Erdbeben mit einer Stärke von 7,8, das Ende April 2015 Nepal erschüttert, ist das stärkste seit 70 Jahren. „Nur die Alten haben jemals vorher erlebt, wie sich das anfühlt und welche Schäden es hervorruft. Deshalb traf die Katastrophe die Nepalesen unvorbereitet“, berichtet Meier. Knapp 8.000 Menschen sterben – die Zahl der Verletzten geht in die Zehntausende. Das Erdbeben gilt als die tödlichste Katastrophe, die Nepal jemals betroffen hat. humedica war damals mit mehreren Einsatzteams vor Ort.

Naturkatastrophen in Nepal: Alltag für viele Menschen

Dabei sind die Nepalesen durchaus an Naturkatastrophen gewöhnt. Aufgrund des Klimawandels und der Lage unmittelbar im Himalaya kommt es immer wieder zu Erdrutschen und Überflutungen. „Für die Menschen in Nepal ist es normal, den Launen der Natur ausgesetzt zu sein“, erklärt Thomas Meier. Er beobachtet: „Wenn irgendwo ein Weg durch einen Erdrutsch verschüttet wird, gibt es bald einen um die Stelle herum. Auch nach einer Überflutung gehen sie sehr schnell wieder zur Tagesordnung über.“ Dabei sind die vielen Naturkatastrophen für viele Nepali existenzbedrohend. „Die meisten Menschen in den ländlichen Regionen sind arm und auf das angewiesen, was sie als Kleinbauern anbauen. Ist die Ernte weg, haben sie kein Einkommen mehr“, erläutert Thomas Meier.

Thomas Meier HDCS

"Wir erfassen Daten, die wir nutzen können, um Hochwasserereignisse vorherzusagen. Andererseits geben wir den Menschen das Wissen an die Hand, wie sie sich im Falle einer Katastrophe selbst helfen können."

Vorsorge rettet Leben: Wie Schulungen und Notfallpläne wirken

Deshalb unterstützt seine Organisation die Menschen dabei, sich auf Naturkatastrophen vorzubereiten. „Einerseits erfassen wir, welche Gebiete besonders häufig von Überflutungen betroffen sind. Wir erfassen Daten, die wir nutzen können, um Hochwasserereignisse vorherzusagen. Andererseits geben wir den Menschen das Wissen an die Hand, wie sie sich im Falle einer Katastrophe selbst helfen können. Das geschieht zum Beispiel durch besondere Schulungen, etwa in Erster Hilfe, und die Erstellung entsprechender Notfallpläne“, erklärt Thomas Meier. Bei einem Erdbeben im Herbst 2023 halfen diese Notfallpläne dabei, dass die Opferzahlen nach einem Erdbeben im Westen des Landes vergleichsweise klein blieben. „Wir hatten, unterstützt durch humedica, gerade das örtliche Krankenhaus mit den notwendigen Geräten ausgestattet und mit den Ärztinnen und Ärzten Notfallpläne für solche Situationen erarbeitet. Dadurch konnten wir die Verletzten gut versorgen“, erinnert sich Meier. 

Er weiß: „Das Erdbeben vor 10 Jahren hat bei vielen Menschen in Nepal ein Umdenken hervorgerufen. Statt Katastrophen einfach hinzunehmen, wollen immer mehr Menschen Vorbereitungen treffen, um deren Folgen abzumildern.“

 

Christoph Jorda