Mitten in der Nacht verlässt Kateryna ihr Zuhause – eine kleine Tasche in der Hand, den zweijährigen Sohn auf dem Arm. Sie ist im sechsten Monat schwanger, erschöpft und voller Angst. Ihre älteren Kinder studieren in einer anderen Stadt.
Eine Freundin hatte ihr heimlich den Namen eines Frauenhauses im Westen der Ukraine gegeben – einen Ort, an dem Frauen Schutz finden, die häusliche Gewalt erlebt haben. Dort beginnt für Kateryna ein neues Kapitel.
21 Jahre war Kateryna verheiratet. Zehn davon verliefen ruhig, dann kamen Kontrolle, Erniedrigung, Gewalt. Mit der Geburt ihres jüngsten Sohnes, etwa zur Zeit des Kriegsbeginns, eskalierte die Situation. Ihr Mann nahm ihr das Geld weg, verbot ihr zu essen, raubte ihr den Schlaf. Irgendwann begann sie, an ihrem eigenen Verstand zu zweifeln – genau das Ziel emotionaler Manipulation.
Nach dem Tod ihres Vaters, ihres letzten Vertrauten, fand Kateryna Hilfe. Eine Freundin vermittelte den Kontakt zu 100% Life Rivne, einer Partnerorganisation von humedica Ukraine. Dort erhielt sie medizinische Versorgung, rechtliche Beratung und psychologische Unterstützung. Ihr Sohn bekam einen Platz im Kindergarten – eine kleine Insel der Normalität. Der Ort ihrer Unterkunft bleibt geheim. Die Gefahr, dass ihr Mann sie findet, ist zu groß.
"Es ist wichtig zu verstehen, wie ich in diese Situation geraten bin – und wie ich verhindern kann, dass es je wieder passiert," beschreibt Kateryna die Hoffnung während ihres Aufenthalts in einem ukrainischen Frauenhaus.
In Gesprächen mit Psychologinnen verarbeitet Kateryna das Erlebte. Schlafstörungen und Panikattacken werden seltener. Schritt für Schritt gewinnt sie Selbstvertrauen zurück. „Ich habe wieder gelernt, mir selbst zu vertrauen,“ sagt sie heute leise, aber mit einem Lächeln.
Eine Rechtsexpertin unterstützt sie bei der Scheidung und beim Unterhalt für ihre Kinder. Kateryna besucht Workshops zur finanziellen Unabhängigkeit und Resilienz. Inzwischen hilft sie im Alltag der Unterkunft mit – die Mitarbeitenden nennen sie liebevoll „unsere rechte Hand“.
Das Frauenhaus begleitet Kateryna bis nach der Geburt ihres Kindes. Danach helfen die Sozialarbeiterinnen bei der Wohnungssuche, bei Bewerbungen und bei der Wiedereingliederung in den Alltag. Ziel ist, dass jede Frau nicht nur überlebt, sondern wieder selbstbestimmt leben kann.
Der Krieg erschwert auch die Arbeit der psychosozialen Teams. Zerstörte Straßen machen viele Einrichtungen schwer erreichbar, Telefon- und Internetverbindungen brechen häufig ab. Manche Beratungsorte geraten sogar unter Beschuss.
Trotzdem bleiben die Helfenden vor Ort – weil sie wissen, wie dringend ihre Unterstützung gebraucht wird.
Im Jahr 2023 stieg die Zahl der gemeldeten Fälle häuslicher Gewalt in der Ukraine um 51 Prozent. Allein in den ersten Monaten 2024 wurden über 30.000 Fälle registriert.
In einem Umfeld, in dem Angst, Traumata und wirtschaftliche Abhängigkeit den Alltag vieler Familien prägen, ist die Arbeit von humedica und seinen Partnern überlebenswichtig. Frauen wie Kateryna erhalten:
Mit Ihrer Unterstützung schenken Sie Frauen wie Kateryna Schutz, Würde und Hoffnung – in einem Land, das seit Jahren unter den Folgen des Krieges leidet.
*Name geändert