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humedica-Aufsichtsrat Heinz Horsch

Heinz Horsch, einer von drei Aufsichtsräten bei humedica, hat ein altes Käppi  dabei, als er das Hauptquartier besucht. Das Blau ist schon etwas verblichen von der Sonne und die Ränder des Stoffes fransen leicht aus – man sieht dem Käppi an, dass es viel getragen wurde. 

Das Käppie, das Heinz Horsch in die Kamera hält, war ein Geschenk, das ihm gezeigt hat: Du bist Teil des Teams.

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„Gegenstände sind für mich nicht wichtig. Sie sind für mich nur eine Erinnerungshilfe zu dem Menschen dahinter“, erzählt Horsch. Und für Horsch steht der Mensch im Mittelpunkt: Das Käppi hat Horsch zum Abschied nach einem Projekt von der „Organización Bautista de Desarollo Social“ geschenkt bekommen. Darüber hat er sich sehr gefreut: „Das Käppi hat mir gezeigt, dass ich jetzt Teil des Teams war. Und das macht meine Arbeit für mich so wertvoll – wenn Leute sagen: Es ist schade, dass du gehst. Du bist ein Teil von uns geworden.“ 
 

Hilfe auf Augenhöhe

Horsch ist im Laufe seines Lebens Teil von vielen Teams geworden. Zusammen mit seiner Familie war er seit 1985 längere Zeit in Costa Rica, Papua-Neuguinea und Tansania. Seit 2002 gibt er außerdem interkulturelle Trainings in Deutschland und evaluiert freiberuflich Projekte auf der ganzen Welt. 

Als ehemaliger Landwirt, gelernter Landmaschinenmechaniker und später auch Agrarbetriebswirt sind seine Kenntnisse in Entwicklungsprojekten gefragt. Für ihn ist dabei von Anfang an wichtig, dass die Projekte nur auf Augenhöhe stattfinden sollen: „Tropenlandwirtschaft ist ganz anders. In der bayerischen Landwirtschaftsschule gab es damals keine Ananas und Bananen“, scherzt er. „Ich habe versucht mich mit Literatur – damals noch ohne Internet – hineinzuarbeiten. Wenn man grundsätzliche Kenntnisse hat, dann geht das.“

Austausch vor Ort: beide Seiten profitieren

Besonders profitiert Horsch aber nicht von der Literatur, sondern vom Austausch mit den Menschen vor Ort. „Ich bin dankbar, dass ich eine so tolle Ausbildung genießen konnte, einfach weil ich das Vorrecht hatte, in Deutschland geboren worden zu sein. Das macht mich aber nicht besser oder schlauer als die Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Ich denke, dass mit diesem Vorrecht eine Verantwortung einhergeht. Deshalb möchte ich, wo ich kann und solange ich gesund bin, anderen Menschen ein bisschen zurückgeben von dem, was ich bekommen habe“, findet Horsch.

„Ich habe immer versucht, meinen Kollegen zu vermitteln, dass ich die Ausbildung mitbringe und sie ganz viel lokales Wissen. Zusammen konnten wir so am meisten bewirken“, erklärt Horsch, dessen Augen zu leuchten beginnen, wenn er von den Begegnungen mit Menschen in seinem Leben erzählt.

So zum Beispiel auch, als er von einem Freund, Pastor Ndaiga, erzählt. Er hat ihm beigebracht, sich Zeit zu lassen für die wichtigen Dinge. „Ich habe ihn regelmäßig besucht. Wir haben immer einen Tee getrunken und gebetet. Einmal war die Zeit sehr knapp, für Tee war keine Zeit. Er hat dann aber Tempo rausgenommen und gesagt: Lass uns noch gemeinsam beten, bevor du aufbrichst. Dieses Innehalten hat mir gutgetan und ich kam auch ohne Probleme rechtzeitig zu Hause an“, berichtet Horsch über einen von vielen prägenden und lehrreichen Momenten.

Hilfe in der Landwirtschaft

Horsch hilft den Menschen aufgrund seiner Ausbildung oft im landwirtschaftlichen Bereich. Das ist nicht immer leicht, wie er erzählt: „Manche Menschen gehen in Gebiete rein, in denen man eigentlich keine Landwirtschaft mehr betreiben sollte. Das habe ich jemandem gesagt, nachdem ich festgestellt hatte, dass auf seinem Land zu wenig Niederschlag für den Maisanbau fällt. Er meinte dann: ‚Aber wo soll ich denn sonst hingehen?‘ Die Menschen haben leider nicht immer die Wahl.“

Horsch gibt zusammen mit Kollegen seit Jahrzehnten sein landwirtschaftliches sowie betriebswirtschaftliches Wissen in Workshops weiter, wie hier in Tansania.

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Als Landwirt macht Horsch das betroffen. Denn er ist ganz nah an der Natur dran und sieht die dramatischen Auswirkungen von Klimaveränderungen: „Ich war und bin in Regionen unterwegs, in denen ich sehe, wie die Erosion Felder wegschwemmt oder wo ein Dorf, durch das früher ein Bach ging, jetzt aufgrund einer Überschwemmung durch eine riesige Schlucht geteilt ist“, erinnert er sich. 

"Natur ist nicht zum Selbstzweck da"

Doch Horsch verharrt nicht in der Betroffenheit. Er ist einer, der anpackt. „Natur ist nicht zum Selbstzweck da – Menschen leben in der Natur und von ihr. Es war mir immer ein Anliegen, dass Menschen von dem leben können, was das Land ihnen gibt. Aber so, dass das Land nachhaltig bewirtschaftet ist, denn nur dann ist auch das Auskommen der Menschen nachhaltig“, erklärt er seine Strategie. 

Denn obwohl Horsch viel tiefes Fachwissen in der Landwirtschaft hat und es ihm Freude bereitet dieses Wissen zu teilen – für ihn steht der Mensch im Mittelpunkt. Und so zitiert er Martin Luther, der gesagt haben soll: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, dann würde ich heute noch einen Baum pflanzen.“ Horsch meint dazu: „Diese Aussage finde ich eine coole Einstellung und so möchte ich gerne sein.“