Denise Weihing (rechts) kümmert sich um die Ausgabe der Medikamente
„Die Verhältnisse in vielen afrikanischen Gefängnissen sind nicht mit denen hier in Deutschland vergleichbar“, schildert Denise Weihing. „Teilweise sind 120 Häftlinge in einem Raum untergebracht, eine Toilette gibt es nicht, dafür einen Eimer in der Mitte. Geschlafen wird im Sitzen oder in der Hocke oder die Häftlinge wechseln sich ab.“ Denise Weihing kennt sich aus. Die Krankenschwester aus der Nähe von Tübingen verbringt regelmäßig ihren Urlaub in afrikanischen Gefängnissen – ganz freiwillig, als humedica-Einsatzkraft. „Schon als ich meine Ausbildung gemacht habe, war mir klar, dass ich mich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren will“, berichtet Denise. Als die Kinder groß genug waren, ging sie das Thema an. Motivation war auch ihr christlicher Glaube: „Ich bin so dankbar, dass es mir gut geht und ich in der Lage bin, mit meinen Begabungen anderen Menschen zu helfen“, erklärt die gebürtige Schweizerin. „Schon Jesus schickte uns zu den Ärmsten der Welt und sagte, was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan.“
Denise war unter anderem schon in Togo und Äthiopien. Ihr letzter Einsatz führte sie nach Uganda. Zusammen mit sieben Ärztinnen und Ärzten sowie zwei anderen Pflegekräften behandelte sie jeden Tag in einem anderen Gefängnis. Denise ist dabei vor allem für die Ausgabe der Medikamente zuständig. „Die Überbelegung der Gefängnisse sorgt dafür, dass die Häftlinge sich gegenseitig anstecken. Krätze erkenne ich mittlerweile schon von weitem“, schildert sie. Hautkrankheiten und Parasitenbefall kommen häufig vor, außerdem Urininfektionen, Malaria und Infekte der oberen Atemwege. „Der Ablauf ist ähnlich dem in einer Arztpraxis“, beschreibt Denise den Alltag: „Wir behandeln die Menschen meist im Innenhof, wo sich alle versammeln. Dieses Jahr hatten wir eine Zahnärztin dabei – sie konnte Zähne ziehen aber keine Wurzelbehandlung machen. Die Häftlinge sind schon froh, wenn sie keine Schmerzen mehr haben.“ An eine Begebenheit erinnert sich Denise ganz besonders: „Ich hatte einer Gefangenen eine Fixierbinde geschenkt. Als ich ein Jahr später in das Gefängnis zurückkehrte, erinnerte sich die Gefangene an mich und bat um eine neue Binde. Schon kleine Dinge wie eine Seife sind etwas Besonderes und helfen in der Not.“
Meist müssten die Häftlinge in afrikanischen Gefängnissen für ihre medizinische Versorgung selbst aufkommen. Viele können sich das nicht leisten, deshalb ist die Hilfe, des medizinischen humedica-Teams kostenlos. „In vielen Ländern, in denen wir tätig sind, kommt man schon ins Gefängnis, weil man aus Hunger ein Brot gestohlen hat“, berichtet Denise. Meist behandele das Team Kleinkriminelle, die hierzulande gar nicht im Gefängnis sitzen würden. „Viel wichtiger, als die medizinische Versorgung ist für die Gefangenen, dass sich überhaupt jemand um sie kümmert und mit ihnen spricht, dass sie gesehen werden und mit Würde behandelt werden.“
Anders, als die Einsätze nach Katastrophen, stehen die Zeiträume für Gefängniseinsätze bereits Monate vorher fest und lassen sich daher besser mit dem Familienalltag vereinbaren. „Wir bieten auch geplante Einsätze an, bei denen unsere Einsatzkräfte in afrikanischen Krankenhäusern mithelfen“, berichtet Rebecca Groß, die bei humedica diese Art von Einsätzen organisiert. Voraussetzung ist immer, dass man das humedicaeigene Einsatzkräftetraining absolviert hat.
Denise Weihing zieht eine ganze Menge auch für sich selbst aus ihrer Arbeit in afrikanischen Gefängnissen: „Man lernt vieles hier besser wert zu schätzen“, berichtet sie. Auch für ihre Arbeit im Krankenhaus nimmt sie einiges mit: „Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund muss man manchmal anders fragen, um die Antworten zu bekommen, die man benötigt. Das habe ich bei meinen Einsätzen gelernt“, berichtet sie. Sie will erstmal ein Jahr aussetzen, um auch anderen die Möglichkeit eines Gefängniseinsatzes zu geben. Solche Einsätze sind für sie etwas ganz Besonderes: „Es ist wichtig, dass man als Team zusammenarbeitet. Das funktioniert in der Regel gut, weil alle gleich ticken. Ich kehre als Beschenkte aus diesen Einsätzen heim.“