Das Hochwasser kam bis zu Chandas Haus.
Für Chanda kamen die Fluten in dieser Intensität völlig überraschend. Dass es im Sommer intensiv regnet und auch mal das Land überschwemmt ist, das kennen die Menschen hier. Für die Landwirtschaft, von der viele leben, ist diese Regenzeit sogar einkalkuliert und wichtig, um den Boden fruchtbar zu halten. Dass die Regenfälle aber so heftig ausfallen wie im Sommer 2022 – daran kann sich niemand hier erinnern. Es war das schlimmste Hochwasser seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ein Drittel des Landes stand über viele Monate unter Wasser. Krankheiten breiteten sich aus. Mehr als 1.700 Menschen starben, etwa 33 Millionen mussten ihre Wohnunterkünfte verlassen.
Auch Chanda und ihre Familie waren betroffen. Dass das Hochwasser bis zu dem Haus kam, in dem sie lebten, hatte es noch nie gegeben. Die 40-Jährige ist mit ihrer Familie im Bezirk Umerkot im Süden Pakistans zu Hause. Von einem Moment auf den anderen war alles weg. Ihr Haus, ihre Einnahmequelle, alles, was sie besitzt – einfach weggespült. Chanda stand mit ihrer Familie vor dem Nichts. Hinzu kam, dass von einem Moment auf den anderen kein sauberes Trinkwasser mehr verfügbar war. Die ganze Familie wurde krank, litt plötzlich unter Bauchschmerzen. Da sie kein Einkommen mehr hatte, war es ihr auch nicht mehr möglich, Lebensmittel zu beschaffen. Die Familie musste hungern.
Ibrahim und sein Sohn haben geerntet.
Auch Ibrahim weiß ein Lied vom Klimawandel und seinen Folgen zu singen. Ibrahim ist Bauer im Bezirk Rajanpur. Doch in den letzten Jahren warfen seine Felder nicht mehr genug ab, um seine Familie zu ernähren. Das Wetter veränderte sich zunehmend, die Überschwemmungen wurden immer unberechenbarer und die Erntezeiten verschoben sich. Irgendwann kam Ibrahim zu dem Punkt, den Gemüseanbau ganz aufzugeben. Irgendwie hörte er von Pak Mission Society (PMS), dem örtlichen Partner von humedica in Pakistan. Dort gab man ihm anderes Saatgut als das, was er von seinem bisherigen Händler bekommen hatte. Dieses war klimaresistent – also widerstandsfähiger gegen die Unwägbarkeiten der veränderten Wetterbedingungen. Ibrahim und seine Kollegen lernten außerdem, ihre Felder vorzubereiten, das Saatgut auszusäen und ihre Pflanzen auf eine Weise anzubauen, die sie sich nie hätten vorstellen können. Seitdem geht es mit Ibrahim und seiner Familie wieder bergauf. Auf Ibrahims Feldern, die zuvor kahl und leblos waren, gedeiht nun üppiges, gesundes Gemüse. Okra, Kürbis, Chili, Gurken und Auberginen wachsen in Hülle und Fülle. Die Ernte reicht nicht nur, um seine Familie zu ernähren, sondern auch, um noch etwas davon auf dem Markt zu verkaufen.
Auch Chanda kann dank der Hilfe aus Deutschland ihre Familie wieder ernähren. Sie bekam von PMS einen finanziellen Zuschuss. Diesen investierte sie in eine Nähmaschine. Sie eröffnete eine kleine Schneiderei und näht Kleidung für ihre Nachbarn sowie die anderen Menschen im Dorf. Durch die Einnahmen kann sie sich und ihrer Familie wieder Lebensmittel kaufen. Die Abhängigkeit von Hilfsgütern schwindet. Und sogar für die Schulgebühren ihrer Kinder bleibt noch Geld übrig. Dass sie während der schwierigen Phase nach dem Hochwasser ihre Ausbildungen unterbrechen mussten, schmerzte sie besonders. „Man hat uns eine Chance zum Wiederaufbau gegeben, und wir haben sie genutzt. Jetzt überleben wir nicht nur, sondern wir blühen auf“, sagt sie dankbar.
Gleiches gilt für Ibrahim. Dank der Unterstützung von humedica und seinem örtlichen Partner PMS sind auch die anderen Bauern in seinem Dorf wieder in der Lage, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Eine kleine Hilfe hat ihnen ermöglicht, wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Möglich machen das Spenden aus Deutschland.