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humedica-Mitarbeiter Tihomir erzählt von der Situation in der Ukraine

Tihomir erzählt

humedica-Mitarbeiter Tihomir erzählt von seinem Projekt-Besuch in der Ukraine.

Reise nach Ushgorod, Ukraine

Zunächst fing es gut an: Nachdem ich aus Kosice, Slowakei an den Grenzübergang Vyšné Nemecké kam, waren nur zwei Fahrzeuge vor mir. Und die Zollbeamtin kam auf mein Fahrzeug zu. Aha, dachte ich. Jetzt wird es schnell gehen.

Schnell kam nur die Information seitens der Beamtin, dass auf der ukrainischen Seite gerade der Strom ausgefallen ist und wir vorerst warten müssen. Auf die Frage, „wie lange?“ meinte sie 1-2 Stunden, eventuell aber auch bis zum Abend. Zwei Stunden und es ging weiter – die Stromversorgung funktionierte wieder.

Auf der slowakischen Seite läuft die Abfertigung zügig. 5 Minuten und die Formalitäten sind erledigt. Auf der ukrainischen Seite fängt es mit dem Militär Check-Point an. Da bekommt man ein Papier, das vom Zoll und Grenzpolizei gestempelt werden muss. Ohne diese zwei Stempel kommt man aus dem Grenzübergangsgebiet nicht raus.

Erst kommt die Passkontrolle: Reisepässe werden von allen Personen aus den etwa zehn anstehenden Fahrzeugen gesammelt und geprüft. Dann werden Fahrzeugpapiere verlangt und ebenfalls eingesammelt. Das Fahrzeuginnere wird untersucht, nach mitgeführtem Gepäck gefragt. Die Beamten handeln professionell und sind korrekt.

Nach etwa 20 bis 30 Minuten geht die Fahrt weiter. Ich fahre Richtung Ushorod Stadtzentrum. Das Navi im Wagen informiert mich: „Vorsicht, die aktuellen Kartendaten sind für dieses Land nicht vollständig, bitte beachten.“ Ich schalte um auf mein Smartphone. Schließlich erreiche ich meine Unterkunft.

Strom ist im Apartment permanent vorhanden, die Preise sind moderat. Ich treffe Oleg Smoliar, unseren lokalen Country Coordinator. Wir machen den Plan für den Rest des Tages. Wir wollen eine Wohnanlage mit Binnengeflüchteten besuchen. Im Rahmen unseres Projektes sind dort 31 Personen untergekommen, in der Regel Mütter mit Kindern.

Vier Gänge auf zwei Etagen verteilt, eine Toilette und Bad pro Gang. 31 Menschen teilen sich vier Badezimmer… aber es funktioniert gut. Kochgelegenheiten stehen im Flur zur Verfügung. Es ist warm im Haus, eine Zentralheizung mit Holz geheizt versorgt das Haus mit Wärme.

Schulpflichtige Kinder können online am Unterricht teilnehmen, aber fast keiner kann sich diese Ausgabe leisten. Also laufen die Kinder zur Schule, manchmal mehrere Kilometer zu Fuß –
Schulbusse stehen nicht zur Verfügung.

Ein Junge steht draußen vor dem Haus. Mein Kollege Oleg sprich den etwa 10-jährigen Jungen an. Aber er geht auf das Gespräch nicht ein. Es spielt Krieg. Mit einer unsichtbaren Waffe zielt er herum. Lautlos.

Ich bin in der Ukraine angekommen.
Offensichtlich.