Shukurya schaut sich das Baby genau an. Wie viel wiegt es? Welchen Umfang haben seine Arme? In welchem Zustand ist seine Haut?
Auch die Mutter untersucht sie aufmerksam. Ist ihr Blutdruck in Ordnung? Die Frau hat ihr Kind erst vor wenigen Wochen zur Welt gebracht. Heute ist Shukurya zur Nachsorge bei ihr.
Eigentlich arbeitet Shukurya als Lehrerin an einer Grundschule. Doch durch humedica hat sie sich zusätzlich zur Gesundheitshelferin für ihren Ort ausbilden lassen. Damit übernimmt sie eine Aufgabe, die für viele Familien in ihrem Dorf besonders wichtig ist.
Denn ohne Shukurya gäbe es hier niemanden, der Mütter nach der Geburt besucht – und auch keine direkte Anlaufstelle für viele alltägliche gesundheitliche Fragen.
Shukurya lebt in einem Dorf etwas außerhalb von Kabul. Wer von hier die nächste Gesundheitsstation erreichen möchte, braucht dafür mehr als eine Stunde.
Für viele Familien ist schon der Weg dorthin eine große Hürde. Die Menschen im Dorf sind arm. Ein Taxi oder ein anderes Transportmittel können sich viele nicht leisten.
Gerade für Schwangere, junge Mütter und Neugeborene kann eine fehlende medizinische Versorgung jedoch schwerwiegende Folgen haben. Deshalb setzt die Arbeit der Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer dort an, wo die Menschen leben.
Sie begleiten Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt, achten auf die Gesundheit von Neugeborenen und helfen dabei, Krankheiten und gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen.
Insgesamt hat humedica 50 Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer ausgebildet. Für jeden Ort sind jeweils eine Frau und ein Mann zuständig.
Sie sind die ersten Ansprechpartner für die Menschen, wenn gesundheitliche Fragen auftreten. Gleichzeitig kennen sie die Grenzen ihrer Möglichkeiten: Stellen sie Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung oder ein erhöhtes gesundheitliches Risiko fest, ermutigen sie die Betroffenen, eine Klinik aufzusuchen.
Wie wichtig das ist, zeigt sich auch bei einem Besuch Shukuryas in einem Flüchtlingslager weit außerhalb ihres Dorfes.
In einer wüstenähnlichen Einöde leben dort Afghaninnen und Afghanen, die gewaltsam aus Pakistan vertrieben wurden und in ihrer Heimat noch kein neues Zuhause gefunden haben. Sie sind Wind und Wetter ausgesetzt. Sauberes Trinkwasser steht ihnen nicht zur Verfügung.
Bei ihrem Besuch schaut Shukurya genau hin. Sie stellt fest, dass Kinder unterernährt sind. Zwei schwangere Frauen zeigen außerdem Anzeichen für Blutarmut.
Shukurya rät ihnen, eine Klinik aufzusuchen. Die beiden Frauen versprechen ihr, dorthin zu gehen und damit das Risiko von Komplikationen zu verringern.
Es ist diese Nähe zu den Menschen, die die Arbeit der Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer auszeichnet. Sie sind in den Dörfern und Lagern präsent, kennen die Menschen und können gesundheitliche Probleme erkennen, bevor möglicherweise wertvolle Zeit verloren geht.
Nicht jede Krise beginnt plötzlich mit einer Naturkatastrophe. In Afghanistan gehören Armut und mangelnde medizinische Versorgung für viele Familien zum Alltag. Besonders schwangere Frauen, junge Mütter und Kinder sind auf Unterstützung angewiesen.
Menschen wie Shukurya tragen dazu bei, dass gesundheitliche Hilfe auch diejenigen erreicht, für die eine Gesundheitsstation weit entfernt oder nur schwer erreichbar ist.
Damit diese Arbeit weitergehen kann, braucht es Unterstützung. Spenden helfen dabei, dass Shukurya und andere Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer für die Menschen vor Ort da sein können.