Direkt zum Inhalt
Seit 2012 hilft humedica in Flüchtlingscamps im Libanon

Nach dem Kriegsausbruch zwischen den Vereinigten Staaten und Israel auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen Seite hatten in der vergangenen Woche hier alle Angst, dass die Hisbollah im Land einen Angriff starten oder Raketen auf israelisches Gebiet abfeuern könnte. Leider ist genau das in der Nacht von Sonntag auf Montag tatsächlich geschehen.

In der Zeit davor hatten wir nur darauf gewartet, dass endlich Frieden einkehrt. Leider ist es jetzt etwas schwierig, diesen Frieden in naher Zukunft kommen zu sehen.

Unser Landesdirektor im Libanon, Fares Kabboura erzählt, wie es ihm jetzt, kurz nach den kriegerischen Handlungen in seinem Land, geht, und was ihm hilft, den Mut nicht zu verlieren

humedica/Hartmut Schotte

Auch jetzt fliehen wieder viele Menschen nach Zahle

Hier in Zahle, wo humedica seit langem hilft, sind alle Religionen und Parteien vertreten, aber es ist keine Stadt der Hisbollah. Zahle hat immer die Vertriebenen aufgenommen, die aus angegriffenen Gebieten geflohen sind.

Auch jetzt haben wir wieder viele Menschen gesehen, die aus diesem Gebiet flohen und nach Zahle kamen, um Häuser zu mieten oder in Hotels zu übernachten. Einige Menschen sitzen in ihren Autos am Straßenrand und warten einfach auf leere Häuser oder auf jemanden, der ihnen hilft.

Ich hoffe immer noch, dass eines Tages Frieden in dieses Land einkehrt

Ich persönlich lebe nicht in einem Gebiet, in dem die Hisbollah präsent ist, aber letztendlich können die Mitglieder der Hisbollah überall hingehen. Sie können in Häusern, Gästehäusern oder Hotels unterkommen. Wir hatten also immer dieses Problem, dass vielleicht ein Auto, das in der Nähe vorbeifährt, der Hisbollah gehört und von israelischer Seite angegriffen wird. Das ist eine große Angst, mit der wir leben müssen.

Das ist sehr stressig. Aber gleichzeitig ist der einzige Lichtblick in dieser dunklen Zeit, dass ich immer noch hoffe, dass eines Tages alles anders wird. Ich hoffe immer noch, dass eines Tages Frieden in dieses Land einkehrt. Ich bin am Ende des Tages Libanese und versuche so gut ich kann, meinem Land durch meine Arbeit zu helfen. Ich helfe meinem Land, indem ich allen Menschen in diesem Land helfe.

Wir haben Angst, vergessen zu werden. Doch wir brauchen weiterhin Hilfe

Derzeit hilft humedica zum Beispiel Geflüchteten, die sich in Notunterkünften und Schulen aufhalten. Die Menschen können dorthin kommen und sich untersuchen lassen. Wir haben damit bereits Erfahrung aus früheren Projekten und machen das auch in der jetzigen Situation unverändert weiter.

Ich bin dankbar, dass wir etwas tun können und dass ich darüber sprechen darf, denn wir hatten in den Monaten das Gefühl, dass unsere Krise zu einer vergessenen Krise wird. Doch wir brauchen weiterhin Hilfe.

Danke, dass Sie unsere Krise nicht vergessen!