Samira im Gespräch mit einer Mutter und ihrem Baby im Flüchtlingscamp in der Bekaa-Ebene.
„Den Frauen helfen zu können, wenn sie in einer völlig überfüllten Notunterkunft ihr Neugeborenes versorgen müssen, das sind die ganz besonderen Momente in meinem Job“, erzählt Samira. Die 33-jährige arbeitet für humedica im Libanon. Sie kümmert sich um die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und jetzt unter provisorischen Bedingungen in der Bekaa-Ebene leben. Viele Syrer, die zu Beginn des Krieges in ihrem Land hierhergekommen sind, leben seit 14 Jahren in informellen Zeltsiedlungen. Manche trauen sich noch nicht zurück, weil sie erst abwarten wollen, wohin sich ihr Heimatland entwickelt, jetzt, wo die Herrschaft von Ex-Machthaber Assad beendet ist. Andere können sich eine Heimkehr nicht leisten, sie haben nichts mehr in Syrien, worauf sie aufbauen könnten.
„Wir sorgen dafür, dass auch diejenigen Menschen eine Behandlung bekommen, die sie sich sonst nicht leisten könnten."
Doch es sind auch zunehmend die Libanesen, um die sich Samira kümmern muss. Das Land ist schon lange wirtschaftlich im Sinkflug. Die Inflation ist hoch, viele Libanesen können sich das, was sie zum Leben brauchen, nicht mehr leisten. Der Konflikt im Gazastreifen hat die Situation vieler Menschen noch zusätzlich verschärft. Vor allem im Süden leiden die Menschen unter dem Beschuss aus Israel, der eine Folge des Gaza-Konfliktes ist. „Als es ganz schlimm war, flohen die Menschen zu uns in die Bekaa-Ebene. Das war eine schreckliche Zeit. Die Menschen mussten in überfüllten Notunterkünften ausharren, ohne Privatsphäre oder Ruhe“, erinnert sich Samira. Vor allem die Frauen mit ihren Neugeborenen gingen ihr sehr nahe.
Mit dem Klinikbus behandelt humedica syrische Geflüchtete im Libanon.
Das Team von humedica im Libanon kümmert sich um die medizinische Versorgung der Menschen in der Bekaa-Ebene. „Wir sorgen dafür, dass auch diejenigen Menschen eine Behandlung bekommen, die sie sich sonst nicht leisten könnten. In den Flüchtlingscamps bilden wir Gesundheitshelfer aus, die sich um die Menschen kümmern, auch wenn wir mit unserem Klinikbus nicht dorthin kommen können“, erklärt sie und ergänzt: „Wir wissen nicht, wie sich der Gaza-Konflikt künftig entwickelt. Wir haben unsere Arbeit komplett umgestellt, zeitweise war ja auch unsere Bewegungsfreiheit durch den Beschuss des Landes eingeschränkt.“
Das Team von humedica im Libanon lässt sich von Herausforderungen wie diesen nicht beirren. „Humanitäre Hilfe im Libanon ist wichtiger denn je“, weiß Samira. „Mit fortschreitender Krise wächst der Bedarf an Soforthilfe, langfristigen wirtschaftlichen Lösungen und psychologischer Betreuung.“ Letztere stellt seit Beginn des Konflikts einen neuen Schwerpunkt der humedica-Arbeit im Libanon dar. Um trotz möglicher Sicherheitsmaßnahmen auch tatsächlich jeden erreichen zu können, auch wenn die Helfer nicht persönlich anreisen können, findet die psychologische Betreuung jetzt auch online statt.