Der Klimawandel hinterlässt sichtbare Spuren – viele Tiere finden nicht mehr genug Nahrung
Die Region Somali in Äthiopien, fernab der Hauptstadt Addis Abeba, ist Heimat von Hirtenvölkern und Halbnomaden. Aufgrund ihrer geographischen Abgeschiedenheit zählt sie zu den am wenigsten erschlossenen Gebieten des Landes. Doch das Leben hier wird zunehmend durch den Klimawandel erschwert. Die Bevölkerung, die seit Jahren traditionell von der Landwirtschaft und mobiler Viehzucht lebt, sieht sich immer häufiger mit extremen Wetterbedingungen wie Dürre und Überschwemmungen konfrontiert. Diese führen zu Ernteausfällen und weitverbreiteter Unterernährung. Krankheiten breiten sich rapide aus und fordern viele Leben.
Ayana* lebt mit ihrem Mann und fünf Kindern im Dorf Bardaely in der Somali-Region. Um ihre Familie zu ernähren, betreibt sie einen kleinen Kiosk. Früher konnte ihre Familie von der Landwirtschaft leben, doch der ausbleibende Regen und die immer häufigeren Trockenzeiten haben alles verändert. Inzwischen ist es immer öfter über einen längeren Zeitraum sehr heiß. Der Fluss, der ihr Dorf einst mit Wasser versorgte, ist zum dritten Mal in einem Jahr ausgetrocknet. Ayanas Mann musste deshalb die Landwirtschaft aufgeben. Die Dürre verwandelte seine Felder in Staub. Wie er wissen viele Landwirte nicht, ob und wann es das nächste Mal regnen wird. Sie können nichts mehr anbauen und ihre Tiere sterben.
Wenn es doch einmal regnet, dann so heftig, dass der ausgetrocknete Boden die Wassermassen nicht aufnehmen kann. Die Folge sind verheerende Überschwemmungen. Früher war dieses Wechselspiel zwischen Trockenheit und Flut für die Bewohnerinnen und Bewohner abschätzbar, doch der Klimawandel hat die Abstände unvorhersehbar und die Wetterereignisse extremer gemacht.
Ayana betreibt ihren eigenen kleinen Kiosk, um für sich und ihre Familie zu sorgen
Viele der Familien, die ihre Existenzgrundlage in der Landwirtschaft verloren haben, hatten keine andere Wahl als zu fliehen – so auch Ashas* Familie, die von der Dürre vertrieben wurde und sich an einem anderen Ort niederlassen musste. „Ich habe alle meine Kamele, Ziegen und Rinder verloren. Unsere Lebensgrundlage war die Tierhaltung – meine Kinder tranken die Milch und ich verkaufte einen Teil davon an Händler, um die Kosten für Gesundheit und Schule zu decken“, schildert sie wehmütig. „Jetzt haben wir nichts mehr und in unser Dorf können wir auch nicht zurück“, fügt sie hinzu. Nun lebt Asha mit ihrer Familie in einem Geflüchtetenlager. Doch auch hier ist das Leben beschwerlich. Sie haben nicht genug zu essen und zur nächsten Wasserquelle müssen sie anderthalb Stunden laufen.
"Ich habe alle meine Kamele, Ziegen und Rinder verloren. Unsere Lebensgrundlage war die Tierhaltung – meine Kinder tranken die Milch und ich verkaufte einen Teil davon an Händler, um die Kosten für Gesundheit und Schule zu decken."
Die schwierigen Lebensbedingungen begünstigen, dass sich Krankheiten wie Cholera und andere Infektionen schnell ausbreiten und vielen Menschen das Leben kosten. Auch Unterernährung ist durch den Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln weit verbreitet. Besonders für Kinder sowie für schwangere oder stillende Frauen ist die Situation lebensgefährlich. Die Zahlen sind erschreckend: Mehr als zehn Prozent aller Kinder sterben vor ihrem fünften Geburtstag. Die Angst um ihre Kinder und der tägliche Überlebenskampf sind für die meisten Familien bittere Realität.
Auch Ashas Kinder waren unterernährt. Wie viele andere Betroffene erhielten sie von humedica Spezialnahrung, um wieder zu Kräften zu kommen. Regelmäßige Untersuchungen für Mütter und Kinder ermöglichen eine frühzeitige Erkennung von Unterernährung.
Asha und ihr Kind erhielten Hilfe von humedica, nachdem sie aus ihrer Heimat fliehen mussten
Die Menschen in Somali sind oft auf sich selbst gestellt, wenn es um ihre Gesundheit geht. So auch Tafari* und seine Familie. Besorgt steht er an einem Krankenhausbett und kümmert sich um seinen 88-jährigen kranken Verwandten Ibrahim*. Sie stammen aus dem Dorf Alen, weit außerhalb der Stadt Dollo, wo Tafari mit seiner Frau und seinen zwölf Kindern lebt. „In unserem Dorf gibt es zwar immerhin eine Apotheke, aber kein Krankenhaus“, erzählt er. Bei schweren Erkrankungen bleibt ihnen keine andere Wahl, als in einem Sammeltaxi die fünfstündige Reise auf schlechten Straßen zum nächsten Krankenhaus im Bezirk Dollo Ado anzutreten. Doch der teure Sprit stellt für viele eine unüberwindbare Hürde dar, sodass sie sich die Fahrt nicht leisten können. Tafari erinnert sich an die schwierigen Zeiten vor dreißig Jahren, als es in der gesamten Gegend gar keine medizinischen Einrichtungen gab und die Menschen oft hilflos sterben mussten.
Auch heute noch stößt das ohnehin fragile Gesundheitssystem der Somali-Region an seine Grenzen. Neben den 160.000 Einheimischen leben hier auch etwa 168.000 Menschen, die aus dem Nachbarland Somalia fliehen mussten. Die Herausforderung besteht darin, allen eine gleichwertige, grundlegende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Region liegt weit entfernt von der Hauptstadt Addis Abeba und gerät deshalb leicht aus dem Blick des öffentlichen Gesundheitssystems.
Die nomadische Lebensweise der Somali-Völker erschwert die Krankenversorgung erheblich. Ihr ständiges Wandern von Ort zu Ort führt oft dazu, dass sie weit von der nächsten medizinischen Einrichtung entfernt sind. Somali erstreckt sich über eine Fläche fast so groß wie Deutschland, wodurch sie tagelange Reisen zu Fuß auf sich nehmen müssen, um ein Krankenhaus zu erreichen. Diese enorme Ausdehnung und die dünne Besiedlung machen es schwierig, ein flächendeckendes Gesundheitssystems aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, unterstützt humedica die schwer zugängliche Region dabei, die medizinische Infrastruktur aufzubauen und zu stärken.
Seit über zehn Jahren ist humedica in der Somali-Region aktiv. Angefangen hat es damals mit der medizinischen Versorgung in einem Lager für geflüchtete Somalierinnen und Somalier, die ihre Heimat aufgrund von Nahrungsmittelknappheit und Konflikten verlassen mussten. Heute fokussiert sich die Hilfe auf den langfristigen Aufbau und die Stärkung der Gesundheitsinfrastruktur für die gesamte Bevölkerung in der Somali-Region.
In der Region verteilen sich etwa zwanzig Gesundheitszentren, die eine Basisversorgung anbieten – ähnlich wie eine Hausarztpraxis. Für die Erstversorgung und einfache Untersuchungen sorgen kleinere Gesundheitsstationen in den Dörfern – meist in Verbindung mit einer Apotheke. Zusätzlich fahren medizinische Fachkräfte aus den Gesundheitszentren regelmäßig in abgelegene Dorfansiedlungen. Diese mobile Versorgung ermöglicht es, Menschen zu erreichen, die nicht in der Lage sind, eine Gesundheitsstation aufzusuchen.
In den Apotheken der Gesundheitsstationen erhalten die Patientinnen und Patienten notwendige Medikamente
Semira* ist eine von humedica ausgebildete Gesundheitshelferin, die in solch einer Dorfstation arbeitet. In ihrer Gemeinde betreibt sie Aufklärungsarbeit und führt Impfkampagnen durch. Sie registriert beispielsweise schwangere Frauen, bringt sie in das nächstgelegene Gesundheitszentrum und hilft ihnen bei der Nachsorge von Impfungen. „Ich ermutige sie, im Gesundheitszentrum zu entbinden“, erklärt sie. Dort gibt es eine Mutter-Kind-Station. Ohne gynäkologische Betreuung ist die Gefahr für die Mütter und ihre Kinder sehr hoch, bei der Geburt zu sterben.
„Denen, die eine bessere medizinische Versorgung brauchen, helfe ich, ins Dollo-Krankenhaus zu gehen“, zählt Semira als eine weitere ihrer Aufgaben auf. In dieser von humedica unterstützten Klinik im Bezirk Dollo Ado geht das medizinische Angebot über die Basisversorgung hinaus. Dort arbeiten ausgebildete Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen und können beispielsweise notwendige Operationen durchführen.
Regelmäßige Untersuchungen helfen dabei, Unterernährung frühzeitig zu erkennen
Die Krankenhäuser und regionalen Gesundheitseinrichtungen sind von entscheidender Bedeutung für die Gemeinden in der Somali-Region. Die verbesserte Ausstattung und das ausgebildete Personal stellen sicher, dass ihre Gesundheit gewährleistet ist – auch ohne, dass tagelange Wege zurückgelegt werden müssen.