(2025)
(Äthiopien 2023, Deutschland 2022)
(2022)
Die Kuh kennt den, der sie melkt, aber nicht den, dem sie gehört.
Äthiopisches Sprichwort
Das Sprichwort beschreibt treffend die Lebensrealität vieler Menschen in Äthiopien: Sie arbeiten hart auf ihrem Land, von dem sie leben – und doch bestimmen oft äußere Umstände über ihr Schicksal. Während die Bevölkerung mehr als 90 unterschiedlichen ethnischen Gruppen angehört, ist der Großteil in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft tätig. Doch das einst fruchtbare Land leidet zunehmend unter den Folgen des Klimawandels. Dürreperioden wiederholen sich heute in immer kürzeren Abständen, während andere Regionen von Überschwemmungen bedroht sind.
Eine der Ethnien sind die Kara im Süd-Omo-Tal. Im Krankheitsfall müssen die Bewohner weite Wege zur medizinischen Versorgung gehen, da sie fernab von medizinischer Infrastruktur leben.
Während Amharisch offizielle Landessprache ist, gehören nur ca. 27 % der Bevölkerung dieser ethnischen Gruppe an. Ca. 90 verschiedene ethnische Gruppen leben in Äthiopien.
Äthiopien, das eigentlich mit unterschiedlichen, hauptsächlich tropischen Klimazonen eine bunte Flora und Fauna zu bieten hat, wird immer häufiger zum Schauplatz von Dürren: Kam es früher alle 25-30 Jahre zu Dürreperioden, hat sich der Zeitraum nun enorm verkürzt. Alle 4 bis 5 Jahre müssen die Landwirte mit zu wenig Regen rechnen. Hinzu kommen Überschwemmungen durch Abholzungen und Rodungen über große Flächen. Waren diese für die Ernährungssicherheit des wachsenden Staates nötig, destabilisieren sie nun das Ökosystem -und noch immer wächst die ländliche Bevölkerung – 4 Kinder gebärt im Schnitt eine Frau in Äthiopien (Stand 2020).
Dürren und bewaffnete Konflikte haben in den letzten Jahren Lebensmittelpreise steigen lassen. Viele Familien kommen kaum noch über die Runden. Kinder sind besonders von Hunger betroffen: Ca. 38 % aller Kinder unter fünf Jahren leiden an Wachstumsverzögerungen aufgrund von Unterernährung – abzusehen sind Folgen, mit denen viele ihr ganzes Leben zu kämpfen haben werden.
Dass nur ca. ein drittel der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser hat, verschlimmert die Situation. Krankheiten breiten sich rasant über verunreinigtes Wasser aus und schwächen die Kinder und Erwachsene zusätzlich.
Viele Geflüchteten mussten ihre Heimat verlassen. Sie wohnen in notdürftigen Unterkünften wie Zelten und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Bewaffnete Konflikte wie in der Tigray-Region zwingen immer mehr Menschen zur Flucht innerhalb Äthiopiens. Die Region Tigray begehrt 2020 nicht zum ersten Mal gegen die äthiopische Regierung auf. Die Verschiebung der Wahlen aufgrund des Corona-Virus sei unzulässig, hieß es. Wurde der Konflikt in Tigray offiziell beendet, sind immer noch viele Gebiete nicht erreichbar. Menschen haben ihr Zuhause verloren und die gewaltsamen Konflikte halten an: In Amhara und Oromia begehren lokale Gruppen gegen die Regierung auf. Die Menschen unterschiedlicher Ethnien fürchten staatliche Gewalt, je nach Zugehörigkeit des jeweiligen Präsidenten. Ca. 4,4 Mio. Menschen sind in ihrem eigenen Land vertrieben worden – eine Gruppe die besonders von Hunger betroffen ist und Gewalterfahrungen macht. Zusätzlich suchen Menschen aus den Nachbarländern wie beispielsweise Somalia in Äthiopien Zuflucht.
Viele Menschen können sich eine Behandlung beim Arzt kaum leisten. Ganz davon abgesehen ist für viele im Krankheitsfall der Weg zur nächsten Krankenstation zu weit.
Unterernährung, Krankheiten aufgrund verunreinigten Trinkwassers, Gewalterfahrungen und vieles mehr machen ärztliche Behandlung unabdingbar. Hier mangelt es an Ressourcen: Auf 10.000 Einwohner kommt ein Arzt (in Deutschland sind es 44 Ärzte auf 10.000 Einwohner). Besonders in abgelegenen Gebieten sowie Regionen mit kriegerischen Auseinandersetzungen sind Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Die Unterversorgung an medizinischer Hilfe zeichnet sich ebenfalls an einer hohen Säuglingssterblichkeit ab: 36 von 1.000 Säuglingen verstarben vor ihrem ersten Geburtstag. Auch für viele Frauen, die ohne medizinische Hilfe entbinden müssen, ist die gesundheitliche Situation riskant.
Seit 2010 hilft humedica Menschen in Äthiopien. Mit seinem Länderbüro in der Hauptstadt Addis Abeba ist humedica vernetzt, sodass humedica Menschen in unterschiedlichen Regionen und in verschiedenen Notlagen helfen kann. Mehr über humedicas Projekte in Äthiopien erfahren Sie hier.