(Brasilien 2021, Deutschland 2023)
(2023)
Brasilien 2023, Deutschland 2022)
"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer."
Brasilianisches Sprichwort
Auch wenn das Sprichwort daran appelliert, dass alle gemeinsam anpacken müssen, um Veränderung herbeizuführen, ist Brasilien eines der Länder mit einer der größten Scheren zwischen Arm und Reich. Viele Menschen leben in sogenannten Favelas, häufig illegale Behausungen, und können sich kaum, das nötigste zum Leben leisten.
Einst von Portugal kolonisiert, brachten die Einwanderer ihre Landessprache Portugiesisch mit nach Brasilien. Die vorkolonialen Sprachen, die der Tupi- und Guarani-Sprachvariationen zuzuordnen sind, werden heute nur noch von Menschen gesprochen, die in indigenen Gruppen leben, meist fernab der Städte. Für sie sind 12 % Brasiliens meist im Amazonasgebiet reserviert. Neben europäischen Einwanderern, wurden viele Afrikaner als Sklaven ins Land verschleppt. Viele kulturelle Sportarten und Tänze gehen auf die afrikanischstämmige Bevölkerung zurück wie beispielsweise Capoeira.
Die Mehrheit der 215 Millionen Menschen Brasiliens leben in den großen Städten, die sich auf den Osten und Süden des Landes konzentrieren. An den Stadträndern haben wirtschaftlich schwache und in Armut lebende Personen ihr zu Hause in den sogenannten Favelas.
Brasilien ist geprägt von starken regionalen Gegensätzen. Während sich ein Großteil der Bevölkerung in den wirtschaftlich stärkeren Küstenregionen im Osten und Süden konzentriert, sind weite Teile des Landesinneren – insbesondere im Amazonasgebiet – dünn besiedelt und infrastrukturell weniger erschlossen.
In den schnell wachsenden Städten treffen unterschiedliche Lebensrealitäten unmittelbar aufeinander: Moderne Stadtviertel stehen dicht neben informellen Siedlungen. Der Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und sicheren Arbeitsplätzen ist ungleich verteilt und hängt stark vom Wohnort und den finanziellen Möglichkeiten ab.
Ortskern von Ilha dos Marinheiros nach einer Überschwemmung
Die im Land herrschende soziale Ungleichheit ist eine der höchsten weltweit – und die Schere zwischen Arm und Reich wächst. Durch die Corona-Pandemie stieg die Armut im Land erneut an und wirkte sich vornehmend auf bereits benachteiligte und gefährdete Gruppen aus. Ein Großteil der Menschen kann sich nicht ausgewogen ernähren – für viele gehört Hunger zu ihrer Lebensrealität – und auch eine grundlegende medizinische Versorgung ist nicht gewährleistet.
Die ungleichen Lebensbedingungen zeigen sich auch in der Sicherheitslage: Brasilien belegt im Global Peace Index (Weltfriedens-Index) Rang 130 von 163 Ländern ein (Stand 2025). Besonders in städtischen Randgebieten ist die Kriminalität hoch, und organisierte Banden kontrollieren teilweise ganze Viertel. Gewalt betrifft dabei nicht nur kriminelle Strukturen, sondern auch die Zivilbevölkerung. Bei großangelegten Polizeiaktionen können immer wieder Drogen sichergestellt werden, sie kosten aber ca. 17 Menschen täglich das Leben, darunter eine große Anzahl von Zivilisten.
Das Leben in selbst zusammengezimmerten Behausungen ist für viele Menschen in Brasilien Realität.
Die soziale Ungleichheit spiegelt sich auch im Bereich Bildung deutlich wider. Für eine spätere Chance auf einen Arbeitsplatz, wird ein gutes Bildungsniveau vorausgesetzt. Vielen Kindern und Jugendlichen bleibt dies aber verwehrt, da der Schulbesuch und die dazugehörigen Schulmaterialien von den finanziellen Ressourcen der Familien abhängen. Um die Familie ausreichend zu versorgen, müssen die Eltern viele Stunden am Tag arbeiten, wodurch die Kinder nach der Schule oft auf sich allein gestellt sind. Vor allem die in den Favelas lebenden Kinder befinden sich in solch einem Teufelskreis der Armut, der ihre Chance auf eine aussichtsreiche Zukunft stark einschränkt oder gar unmöglich macht.
Brasilien ist regelmäßig von Naturereignissen betroffen, die je nach Region unterschiedlich ausfallen. Besonders häufig sind starke Regenfälle im Südosten und Süden des Landes – etwa in Bundesstaaten wie Rio de Janeiro oder São Paulo. Sie führen immer wieder zu Überschwemmungen und Erdrutschen, vor allem in dicht besiedelten Stadtgebieten und Hanglagen mit einfacher Bebauung.
Im Norden, insbesondere im Amazonasgebiet, treten saisonale Hochwasser auf, die ganze Landstriche überfluten können. Für viele Gemeinden sind diese Schwankungen Teil des Alltags, erschweren jedoch den Zugang zu Infrastruktur und Versorgung.
Der Nordosten Brasiliens ist dagegen regelmäßig von Dürreperioden betroffen. Ausbleibender Regen gefährdet dort die Landwirtschaft und damit die Lebensgrundlage vieler Familien.
Die Auswirkungen solcher Naturereignisse treffen vor allem Menschen, die ohnehin unter schwierigen Bedingungen leben, und verstärken bestehende soziale Ungleichheiten zusätzlich.
Zerstörung nach einer Überschwemmung im Bundesstaat Minas Gerais im Westen des Landes
Seit 1994 engagiert sich humedica in Brasilien und arbeitet eng mit lokalen Gemeinschaften zusammen – unter anderem in Campo do Coelho bei Nova Friburgo im Bundesstaat Rio de Janeiro. Kinder und ihre Familien werden durch Bildung, Betreuung, medizinische Versorgung sowie durch Maßnahmen der Katastrophenvorsorge und Hilfe in akuten Krisen unterstützt.